#metoo

Warum Nina Proll arm ist und Männer durchaus lernen müssen sich zu benehmen! #metoo !

Ganz gleich wie man zu Feminismus steht, ob Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer die gewählte Literatur ist, um das Thema „metoo“ kommen wir zurzeit alle nicht herum. Meine Facebook Startseite überschlägt sich mit geteilten Beiträgen, meist geschrieben von großartigen, starken Frauen. Kommentiert werden diese zu Hauf von Männern die partout nicht einsehen wollen, was für ein Drama hier gezeichnet wird und von Frauen, die sich mit jenen Männern solidarisieren. Dazu gibt Schauspielerin Nina Proll regelmäßige Zeitungs- und Fernsehinterviews, die mir selbst das Kopf schütteln nicht mehr erlauben und wird auf diversen Socialmedia Foren dafür gefeiert. Doch worum geht es denn in der Debatte eigentlich?

Ok, wir sind uns alle einig – Frauen vergewaltigt man nicht. Aber betrunken können Grenzen schon mal verschwinden und da soll frau nicht so kleinlich sein. Aber zumindest das gesteht man Frauen zu: ungewollter Penis in Vagina ist gesellschaftlich nicht geduldet und strafrechtlich geregelt. Fein! Wie schaut es denn mit Hand am Po und Schenkel aus? Bis 2015 war das noch in Ordnung, seit zwei Jahren sind wir in unserem Rechtsstaat nun soweit, dass das zumindest strafrechtlich nicht als ungezogenes Verhalten gehandhabt wird (Heinisch-Hosek sei Dank, auf die Frauenminister der FPÖ dürfen wir gespannt sein). Nun ist dieser „Grapsch-Paragraph“ leider nicht in den Köpfen der Vielzahl der österreichischen Bevölkerung angekommen und nach wie vor, ist es offenbar in Ordnung Frauen ohne ihre Zustimmung anzugreifen. Vielleicht nicht in Ordnung, aber es gibt doch wahrlich größere Probleme!

Wo fängt sexuelle Belästigung und Diskriminierung an? Nina Proll pflegt so schön zu sagen, das entscheidet jede Frau für sich selbst. Ich wage nun zu behaupten, dass das eigentliche Problem woanders liegt. Es geht hier nicht um unerwünschte Zurufe auf der Straße wie „geile Fut“ oder die Hand am Hintern im Club. Die Gleichstellung von Frau und Mann ist noch lange nicht dort wo sie sein sollte, könnte und müsste. Mitarbeiterinnen erfahren nicht denselben Respekt wie ihre Kollegen. Schatzi genannt zu werden ist diskreditierend, außer wir sind gute Freunde und unser amikales Verhältnis wiederspiegelt diese Liebe und bedarf eines Kosewortes. Frauen werden über ihr Aussehen definiert und dieses bildet ihren Wert in der Gesellschaft. Aus diesem grundsätzlichen Ungleichgewicht in der Welt resultieren diskreditierendes Verhalten, verbale und physische sexuelle Übergriffe und auch wenn der mediale Tenor laut schreit: „das ist nicht das Gleiche!“ – ich finde schon! Das eine resultiert aus dem anderen.

Dann kommt da so eine schöne, erfolgreiche Frau und setzt sich hin und sagt „lern halt Nein zu sagen und wenn du berufliche Nachteile davonträgst, hmmm naja du musst ja nicht Schauspielerin werden.“ Alles klar! Gefolgt von Aussagen wie „ich empfinde es als Kompliment, wenn Männer mit mir schlafen wollen“. Ich denke genau da sind wir nun am Grund der Problematik angekommen! Nein, wir Menschen bestimmen unseren Wert nicht, weil andere uns schön, geil, begehrenswert finden! Dich darauf reduzieren zu lassen, ob andere gerne Beischlaf mit dir ausüben möchten, ist traurig. Das sage ich jetzt gar nicht von oben herab. Sondern als Frau, die das ganz lange selbst so gesehen hat und manchmal ertappe ich mich dabei es immer noch so zu sehen! Dann gilt es zu reflektieren und innezuhalten und all die Qualitäten zu sehen, die mich zu einem wunderbaren, liebevollen, lustigen Menschen machen – ganz abseits meiner Brüste!

Die Aufgabe von emanzipierten Frauen ist es, vor allem wenn sie in der Öffentlichkeit stehen, sich ganz klar gegen die Reduzierung auf ein Objekt der Begierde zu positionieren. Auch wenn es tief drinnen anders ausschaut, weil das kleine Mädchen so gerne von Papa geliebt werden möchte. Es ist wichtig sich mit allen anderen Frauen und Männern zu solidarisieren, die diese Werte-Distinktion zwischen den Geschlechtern nicht länger dulden. Und sich nicht auf die Seite der Männer zu stellen, die sich arm bedauern, dass so ja nun kein Koitus mehr zustande kommen kann! Die dabei erhoffte Liebe bleibt aus, da wartet kein Respekt – lediglich ein aufrecht erhalten von Geschlechterdichotomie. Jene Frauen die es schaffen klar Nein zu sagen, werden es so lange laut sagen bis es auch die können, denen die Stimme noch fehlt und die patriarchale Machtstruktur es nicht erlaubt! Solange bis wir in einer Gesellschaft leben wo keiner mehr Nein sagen muss.

Dabei muss sich niemand fürchten – wir werden trotzdem noch Frauen und Männern sein und miteinander schlafen und dabei Spaß haben. Nur auf Augenhöhe!

In diesem Sinne #metoo

Die verkannten Heldinnen - Alleinerziehende Mamas

Die verkannten Heldinnen der Nation

Ich wurde vorwiegend großgezogen von meiner Mama. Das soll die Rolle meines Vaters auf gar keinen Fall schmälern, doch nach der Scheidung war meine Hauptbezugsperson meine Mama. Viele meiner Jugendfreundinnen sind auch Scheidungskinder und wir verbrachten unzählige Abende uns darüber zu beschweren, wie anstrengend unsere Mütter sind. Viel zu nah, viel zu viel und viel zu große Verantwortung für uns. Einige Jahre später bin ich Freundin von alleinerziehenden Mamas und ich sehe ihren Kampf und ihre Verantwortung und ihre unendliche Liebe. Doch vor kurzem hatte ich das wohl ein prägendste Erlebnis, als meine Kundin – eine schöne, kluge, liebevolle Frau – schluchzend in meinen Armen lag. Weinend weil ihre Jüngste ausgezogen ist. Traurig, weil nun wenig bleibt. Die Karriere stellt man hinten an und arbeitet nur halbtags, um die Nachmittage mit den Kindern zu verbringen. Partnerschaften sind schwieriger, weil es einen wirklich tollen Mann braucht, um ein fremdes Kind gemeinsam zu lieben. Und das soziale Gefüge ist ein anderes als Paar mit Paarfreundschaften. So bleibt den Heldinnen mit 50 nichts Anderes übrig, als sich mit der Trauer auseinanderzusetzen. Ihren Kindern den Raum zu geben von dem sie wissen, dass er notwendig ist – auch wenn es unendlich schmerzt. Doch dann entsteht viel Wunderbares – diese starken Frauen finden sich wieder. Wieder in einer anderen Rolle! Danke an all ihr wunderbaren Mamas.

Migräne, Yoga 1020 Wien

Migräne und wie man sterben will

Bier, Marihuana, Tigerbalsam, Schlaftabletten, Schmerzmittel in abartiger Überdosierung, Kühlkissen, Duschen bei Temperaturen nahe der Verbrennung, Nasensprays und das Bedürfnis den eigenen Kopf immer und immer wieder gegen eine Wand zu schlagen. Das klingt ein wenig nach einer labilen, psychischen Veranlagung mit der Tendenz zu einem Übergebrauch an Rauschmittel. So geht es mir und vielen, vielen anderen Menschen, die an Migräne leiden. Nichts bleibt unversucht und dennoch bleibt das Gefühl nicht genug gemacht zu haben.

Mittlerweile weiß man, dass es sich bei Migräne um eine genetische Prädisposition handelt, die von unzähligen Triggern ausgelöst werden kann. Man geht von einer Hyperaktivität der Nervenzellen, einer Hochschaubahn des Seratononhaushaltes, einer entzündeten Hirnhaut, sowie einer Erweiterung der Gefäße aus. Doch so richtig sicher ist man sich nicht ganz, weder in der Kausalität noch bei möglichen Therapieformen. Nach wie vor herrscht jedoch, nicht nur in der normalen Bevölkerung, sondern auch bei vielen MedizinerInnen, das Bild der hysterischen Frau. Die meisten chronischen Erkrankten erfahren Akzeptanz in ihrem Schmerz. Das ändert natürlich nichts an dem Leid, das sie erfahren. Doch es macht einen riesigen Unterschied. Jahrelang habe ich versucht die Migräne zu verstecken, runterzuspielen, lapidar abzutun, um das Unverständnis wie auch die vielen gut gemeinten Ratschläge zu vermeiden. Bisschen Kopfschmerzen? „Leg dich doch einfach hin und schlaf, dann ist morgen alles wieder gut.“ Nein, leider! Bei einem Anfall beginnt ein pulsierender, stechender Schmerz halbseitig deinen Kopf zu terrorisieren. Begleitet wird dieses unablässige Stechen mit Schmerzen im Auge, einer extremen Licht-, Geruchs- und Lärmempfindlichkeit sowie eine Übelkeit, die an Seekrankheit erinnert. Unbehandelte Schmerzattacken dauern bei mir zwischen 4 und 11 Tagen. Das sind Tage, die mir niemals jemand wieder zurückgeben kann. Sie sind gestohlen und versauen mir mein Leben auf eine kaum beschreibbare Weise. Meine Freundin, die an einer ähnlich starken chronischen Migräne leidet beschreibt es treffend als einen Ausflug in die Hölle. Chronische Migräne was bedeutet das? Das sind Menschen, die an mehr als 15 Tagen in Monat Schmerzen haben. 15 Tage sind gute Monate bei mir!

Warum schreibe ich diesen Blogeintrag? Ich zähle bestimmt nicht zu den sich selbstbedauernden Menschen, die das Mitleid der Welt suchen. Ich möchte dennoch darauf aufmerksam machen, wie es sich mit einer Krankheit lebt, die Schwierigkeiten hat als solche gesehen zu werden. So wie die meisten Betroffenen habe ich alles versucht. Es gibt kein Schmerzmittel, dessen Wirkung ich nicht kenne, keine AlternativmedizinerInnen in Wien, denen ich ein mittleres Jahreseinkommen geschenkt habe und keine herkömmlichen ÄrztInnen, die mich nicht weinend in ihren Wartezimmern sitzen hatten. Ich habe Betablocker genommen, keinen Alkohol und Zucker konsumiert, gekneipt, einen Tagesrhythmus wie im Gefängnis eingehalten, mir jede Freiheit erlaubt, Sport bis zur Ekstase betrieben, meditiert, Hitze vermieden und gehofft, dass der weibliche Zyklus keine hormonelle Veränderung mit sich bringt.  Was bleibt ist die bittere Erkenntnis, das nichts hilft.

Doch langsam nach 20 Jahren der heimtückischen Attacken finde ich mich ab. Mit Botox im Kopf und Triptanen (Gott schütze die Pharmaindustrie) in der Tasche, schaffe ich die meisten meiner Anfälle binnen einiger Stunden abzufangen. Wenn es mir mal nicht gelingt, bin ich den Angestellten der Neurologie im AKH unendlich, für ihre liebevolle Bereitschaft zu helfen, dankbar und freue mich einen Arzt gefunden zu haben, der sagt „ja klar sollst du nicht mehr als 3 Relpax in 24 Stunden nehmen, aber dann nimmst du halt mehr“. Der Migräneguru des Landes: ein Neurologe der offen zugibt zu hoffen. Auf die Forschung und per Zufall das eine Medikament zu finden, das der einen Patienten eben hilft. Dankbar eine Mama zu haben, die in die Nachtapotheke fährt und Rücksicht nimmt. Dankbar für Freundinnen die, sobald ich sage Kopfschmerzen zu haben, Verabredungen für mich absagen, um mir die Verlegenheit zu ersparen. Dankbar für die Yogamädls, die meine Stunden halten wenn mich die Toilette ruft. Dankbar einen Freund zu haben, der stundenlang still neben mir liegt und meinen Kopf streichelt und Kühlkissen auswechselt. Dankbar meinen Körper besser zu kennen, als die allermeisten Menschen und gelernt zu haben, unfassbar selektiv zu erinnern. Sodass nur die schönen Momente in meinem kleinen, klugen, verrückten Köpfchen gespeichert zurückbleiben!

Yoga 1020 Wien

Vom herabschauenden Hund – Posture Clinic zu einer lebenslangen, freudvollen Praxis

Ganz gleich ob Hatha Yoga, Ashtanga Yoga, Sivanada, Bikram oder Vinyasa Flow Yoga um den „herabschauenden und heraufschauenden Hund“ kommen wir Yoginis und Yogis nicht herum. Jede Yogarichtung hat natürlich einen anderen Zugang zu einer korrekten Ausführung. Der folgende Artikel stellt daher gar nicht erst den Anspruch 🙂

Da die Ausrichtung deiner Gelenke und Knochen, sowie Aktivierung aller benötigten Muskeln, aber die Voraussetzung einer lebenslangen, freudvollen Praxis ist, freuen wir uns die Hunde des Coming Hooomm Studios näher zu erklären.

In Adho Mukha Svanasana ist eine gute Basis Grundvoraussetzung um Schmerzen zu vermeiden. Du platzierst deine Hände schulterbreit und richtest deine Handgelenke parallel zum vorderen Mattenrand aus. Deine Finger sind gespreizt und du drückst deine Fingerkuppen so fest in die Matte bis sie weiß werden. Der Handteller kann sich dadurch beinahe lösen – manche Yogastile betonen Zeigefinger und Daumen, wir halten eine gleichmäßige Verteilung auf alle 5 Finger jedoch für sicherer. Deine Arme sind gestreckt und du behältst dir eine Mikrobeuge im Ellenbogen und drehst deine Oberarme leicht nach außen um mehr Platz im Schulterbereich zu erhalten. Deinen Kopf richtest du in der gleichen Höhe wie deine Arme aus, so kann dein oberer Rücken kraftvoll mit stützen. Die Gelenkigen unter uns müssen besondere Aufmerksamkeit auf ihre Gelenke sowie die Stabilität im Bauch richten. Der Beckenboden ist aktiv und deine Rippen sanft zusammengezogen. Im unteren Rücken kannst du dir das Gefühl eines leichten Hohlkreuzes holen und deine Sitzknochen schiebst du auseinander und nach oben. Deine Beine sind soweit angewinkelt, dass dein Rücken gerade ausgerichtet bleiben kann. Die Oberschenkel drücken nach hinten und die Fersen sind leicht nach außen gedreht. Sollten sie den Boden berühren, kannst du deine großen Zehen von der Matte abheben.

So sollte vielen schönen Atemzügen im herabschauenden Hund nichts mehr im Weg stehen und deine Praxis wird dich deinen Alltag stabiler, leichter und hoffentlich gelassener erleben lassen! Wir freuen uns auf dich  <3

Yogakonferenz Wels, Yoga 1020 Wien Sandra Grosskopf

Star Trek & Prince bei der Yogakonferenz und mein strenges Über-Ich

Das gesamte letzte Wochenende verbrachte ich mit gefühlten hunderten anderen Yogalehrerinnen und hundert Yogalehrern bei der Yogakonferenz in Wels. Was bitte soll eine Yogakonferenz sein? Ha, ja das habe ich mich auch gefragt. Bereits letztes Jahr im Übrigen. Da finden sich dann Yogainteressierte ein, um mit den Popstars der Yogaszene zu üben. Es treffen der Thai-Massage-Guru, die Eso-Tante und Mr. Handstandweltmeister zusammen, um den ehrfürchtigen Buben und Mädchen im Raum zu erklären, wie man durch Yogaposen Gott wird. Die Absurditäten dieses Events sind schier unfassbar. So liest uns DIE Yogalehrerin ihre „Spiritual Fly –Yoga Sutren“ vor. Für alle die es nicht wissen: Patanjalis Yogasutras bilden die Grundlage der Yogaphilosophie und ich habe meine Diplomprüfung auf der Universität Wien darüber absolviert. Recht verstörend, wenn Frau Ooomm-Shanti die ihren rezitiert und sie Inhalte wie „do not build walls“ transportieren. Mr. Handstandweltmeister – hoch gefeierter Yogalehrer – erzählt uns von seinen Jugendidolen. Laut ihm kann uns Star Treks Yoda mehr über die Erleuchtung sagen, als die Inhalte der Bhagavad Gita es könnten. Er lässt uns zu Prince „Sexy Mother Fucker“ laut mitsingen und insistiert darauf wie wichtig es sei, sich sexy zu fühlen. Denn wie wir alle wissen, ist Sexyness gleich Happiness und darauf kommt es im Leben schließlich an. Als einer der wenigen Lehrer der Konferenz – der den Eindruck vermittelt sich schon länger als gestern mit Anatomie, Philosophie und dem menschlichen Sein zu beschäftigen – uns bittet in „Uttanasana“ zu gehen, herrscht Verwirrung im Raum. Sanskrit? Völlig überbewertet!

Letztes Jahr hat mich das Spektakel unfassbar wütend gemacht. Ich bin dennoch wieder gefahren. Dieses Jahr hat es mich belustigt: laut habe ich „you sexy mother fucker“ gesungen, neue verrückte Breakdance Moves gelernt – die wir jetzt einfach mal Yogapositionen nennen, beobachtet wie die Lehrer angreifen, durch eine Klasse leiten und durchaus Neues gelernt. Zu einem erleuchteten, besseren Menschen hat mich mein Handstand allerdings noch nicht gemacht.

Aber dann: beim Mittagessen unterhielten wir uns mit einer Dame aus Linz. Sie erzählt vom Burn Out ihrer Yogalehrerin. Streng wie ich bin, werfe ich in den Raum, dass ich zu niemanden ins Yoga gehen würde, der ein Burn Out hat. Weil echt jetzt, solltest du deine Grenzen nicht kennen und vorher dein Leben verändern? Der Blick von Kathi sagt eigentlich alles und ich denke nach. Darüber wie hart ich bin. Zu meinen Freundinnen, meinem Freund, meiner Familie, der Frau in der U-Bahn, der Ooomm-Shanti-Lehrerin, dem Mr. Handstandweltmeister und zu mir selbst. Die Welt wird schließlich kein schlechterer Ort weil sich die Yogaszene verwestlicht und kommerzialisiert. Sie wird zugänglicher für Suchende und bietet Heimat. Die Welt wird allerdings kein besserer Ort durch hartes Be- und Verurteilen von Menschen wie mir. Ich gelobe Besserung! Om Shanti!

Sexualität

Nach der sexbesessenen Moderne …

Nicht selten habe ich in den vergangenen Jahren Gespräche –  mit vorwiegend Männern – darüber geführt, dass sie gerne zu zweit mit einer Frau Sex haben. Nur damit wir uns hier richtig verstehen, nicht die altmodisch, romantische Vorstellung von zwei Frauen sinnlich verwöhnt zu werden. Nein – brachiale, testosterongesteuerte Manneskraft, die sich zu zweit einer Frau ermächtigt. Und ich schreibe bewusst ermächtigt, denn dabei geht es um Macht und Besitzen. Haben sich tatsächlich unsere intrinsischen Bedürfnisse derart gewandelt, dass Analverkehr, Gesichtsejakulationen und Gewalt eine gängige Praktik unserer Sexualität geworden ist? Ich denke, und da nehme ich mich selbst nicht aus, dass eine Generation, die mittels Pornografie ihre ersten sexuellen Kontakte gemacht hat und davon weitgehend geprägt wurde, kaum eine andere Wahl hat, als jeden Reiz mit einem weiteren zu übertrumpfen.

Wenn man Studien Glauben schenkt, sind die wenigsten Paare mit ihrer Sexualität zufrieden. Weder Qualität noch Quantität scheinen die Bedürfnisse der Menschen abzudecken. Woran liegt das? Ist der Overflow an Bildern, Erwartungen und Erlebnissen verantwortlich dafür, dass wir einander an der natürlichsten Form des Miteinander keine Freude mehr bereiten können. Eroberungslisten von Männern weit über die Zahl 100, Frauen die One-Night-Stands haben um Nähe zu erfahren – da kann tatsächlich keine erfüllende Intimität entstehen.

Was bedeutet das nun? Die einzige Möglichkeit, die ich sehe um zu einer natürlichen, freudvollen Form der Sexualität zu gelangen, ist sich zurückzunehmen. Alles Gesehene, Gelernte, Gefühlte zur Seite zu schieben, um sich wieder spüren zu lernen. Die Freude an der Weichheit der Haut des anderen entdecken, die Erregung an der Atmung festmachen und genießen, die blonden Haare am Bauch liebevoll wahrnehmen, die Lust des Gegenübers zu seiner eigenen machen. Das Masturbieren mit einem zufällig gewählten anderen zu einem Liebemachen mit einem Gegenüber werden zu lassen.

Inspiriert wurde ich im Übrigen von dem wunderbaren Artikel in der Zeit:

http://www.zeit.de/2016/45/sexualitaet-beziehungen-stress-erotik-therapie

Praktizieren Sie Yoga im Studio Coming Hooomm in 1020 Wien-Leopoldstadt

In welcher Welt willst du leben? Über das Risiko seine Werte zu verlieren.

Vor gar nicht allzu langer Zeit hatte ich ein Gespräch mit dem Besitzer eines Yogastudios. Mit Yogaunterricht solle man seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten. Sobald es Business wird, verlierst du den Anspruch an dich selbst moralisch richtig zu handeln – so meint er. Ich sehe das nicht ganz so. Viel zu oft habe ich Jobs ausgeübt, die mich nicht erfüllt haben. Mit der Folge, dass sich meine Werte verschoben haben: meine Wertschätzung den MitarbeiterInnen gegenüber, mein Anspruch das Beste zu geben, das Tricksen bei Stundenaufzeichnungen. Seit ich mein eigenes Yogastudio habe, kämpfe ich keine Sekunde damit wie ich mich gegenüber meinen KundInnen und Mitunterrichtenden verhalte, weil ich das was ich mache liebe. Und dennoch: in einer Welt in der Yogastudios Richtlinien wie „du darfst keine persönlichen Gespräche mit den Praktizierenden führen” an ihre YogalehrerInnen erteilen, ist es schwer als Miniunternehmen wirtschaftlich zu bestehen.

Ich kenne jeden Namen der Yogis und Yoginis in meinem Studio. Zumeist weiß ich was sie arbeiten, in welchem Beziehungsstatus sie sich befinden, ob sie glücklich oder traurig sind, was sie träumen und was sie davon abhält diese Träume zu leben. Ich erteile Rabatte, wenn es jemanden finanziell schlechter geht und ich verrechne keine Stunden, auch wenn man sich nicht zeitgerecht abgemeldet hat. Ich zahle immer den gleichen Stundensatz an die Lehrer und Lehrerinnen, ganz gleich ob jemand erscheint oder nicht. All das macht es umso schwerer am Ende des Monats positiv abzuschließen. Dennoch: Meine SchülerInnen lassen sich nach der Stunde von mir im Arm halten und weinen, weil sie sich sicher fühlen. Sie melden sich ab bevor sie auf Urlaub fahren und jede Woche bekomme ich ein liebevolles Geschenk. Immer wieder konfrontieren mich Menschen mit Ideen wie ich erfolgreicher als Unternehmerin bestehen könnte. Und noch öfters verspreche ich mir selbst diese Ideen nicht umzusetzen.

Die Welt hat genug Starbucks –  let’s share some love <3

Sandra Grosskopf Yoga 1020 Wien

Kant hatte Recht – ich flirte manchmal – geht wählen!

Kants kategorischer Imperativ besagt in seiner Grundform: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Daran scheitere ich. Täglich. Mehrmals. Ich tratsche zum Beispiel wahnsinnig gerne. Eine Eigenschaft an mir, die ich nicht besonders schätze. Nicht aus Bösartigkeit, sondern viel eher aus Unüberlegtheit. Das ändert nichts an der Tatsache, dass ich es für nicht richtig empfinde. Ich gehe jetzt aber auch nicht sehr hart mit mir ins Gericht. Sondern beobachte, lasse mich reflektieren, meditiere und bin mir sicher, dass es sich mit der Zeit verändern wird.

Ein Gespräch mit einer Freundin hat mich jedoch unlängst in Frage stellen lassen, ob es denn sinnvoll ist nach dieser Maxime zu handeln. Ich neige zu einem eher freundlichen, sonnigen Wesen. Zumeist lächelnd, Menschen umarmend, merke ich mir persönliches, bin offen, kaum menschlichen Abgründen stehe ich missbilligend gegenüber. Gerade von Männern wird das sehr häufig missinterpretiert – und das ist der freundlichste Ausdruck, der mir dazu einfällt. Immer wieder wird es als Interesse an einer romantischen wie sexuellen Beziehung verwechselt. Auch von Männern, die das eigentlich nicht glauben können. Nicht selten wurde mir erzählt, dass ich mit XY geflirtet habe. Habe ich wahrscheinlich in seiner Wahrnehmung auch, aber dann flirte ich ebenso mit der Kassiererin der Drogerie am Eck und der Blumenverkäuferin und meinen Kundinnen. Dadurch entsteht ein Bild. Oftmals ein gar nicht so positives. Als Konsequenz könnte ich nun aufhören zu lachen, interessiert zu sein, Fragen zu stellen und eventuell würde dann kein Mann mehr glauben, dass ich mit ihm intim sein möchte. Wahrscheinlich ist das aber eben nicht.

Also bleib ich einfach wie ich bin. Begegne allen Menschen weiterhin mit meiner offenen Art und jene die es falsch verstehen wollen, sind einfach mitzutragen. Ähnlich wie die Zahl an Menschen, die nicht arbeiten gehen wollen. Die wenigen trägt der Sozialstaat auch liebevoll mit. Das führt mich zum Schlusssatz: geht wählen!

Körperarbeit 1020 1130 Wien

Think different

Seit einigen Wochen betreue ich einen neuen Klienten. Der begnadete Geigenspieler hat sich als Ziel gesetzt, seine Haltung zu verbessern, um nicht nur schmerzfrei durchs Leben zu gehen, sondern auch um sein Spiel zu verbessern.

Ich beobachte ihn während er sein Instrument bespielt, seine Atmung, Haltung, Bewegungsmuster und gemeinsam erarbeiten wir ein Konzept bestehend aus passiven Dehnungen (Nuad), aktiven Kräftigungs- und Dehnungsübungen, sowie einen optimalen Stand.

Zwar glaube ich, dass mir diese Stunde mehr Freude bereitet als ihm – doch auch er zeigt sich begeistert! Die Arbeit mit ihm zeigt mir einmal mehr wie wunderschön bereichernd meine Tätigkeit nicht nur für andere sondern für mich selbst ist. Lust bekommen? Ich freu mich auf dich!

Selbstwert 1020 Wien

selbstBewusst oder eingebildet?

Den Großteil meines bewusst wahrgenommenen Lebens, habe ich damit zugebracht, mich nicht besonders gern zu mögen. Meine Beine zu muskulös, meine Ohren eine Verwandtschaft zu Dumbo, ich grundsätzlich nicht gut genug. Ein Notendurchschnitt von 1,2 meine gesamte Schulzeit hindurch, ein abgeschlossenes Studium in Mindestzeit, sowie die Ernennung zur Bezirksrätin mit 19, änderten nichts an der Wahrnehmung nicht zu genügen. Sehr viel Zeit, noch mehr Energie, Tränen, Verzweiflung und unfassbar viel Geld haben mich durch einige Jahre Psychotherapie, Selbsthilfegruppen, Gespräche mit schlauen Menschen, Yoga und Meditation geführt und an einen Punkt gebracht, der ganz fein ist. Noch lange nicht fertig, aber ziemlich fein.

Mittlerweile mag ich mich. Nicht alles an mir, aber vieles. Ich kann die Dinge an mir, die schön sind als solche sehen und benennen. Ich weiß um meine Schwächen und um meine Stärken. Nicht selten bin ich aber nun damit konfrontiert, dass mich Menschen als arrogant und eingebildet abstempeln. So wurde ich unlängst gefragt, ob es eigentlich irgendwas an mir gibt, das ich nicht toll finde. Ja, gibt es! Aber noch mehr Qualitäten, die ich wertschätze. Dafür habe ich sehr lange gearbeitet.

Ich wünsche mir in einer Welt zu leben, in der wir einander die Schönheit, Intelligenz und Einzigartigkeit lassen. Gönnen. Sie feiern. Um die Großartigkeit eines anderen nicht als Bedrohung wahrzunehmen, weil man sich selbst dadurch klein empfindet, bedarf es eines gesunden Selbstbewusstseins. Aber machen wir gemeinsam ein Gedankenexperiment: wir leben und lassen uns toll, schwach, lustig, rigide, dominant, ungebildet, einzigartig sein. Ohne das Gegenüber als Messstab der eigenen Person zu sehen. Ich kann es kaum erwarten!